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Veganismus - Milch oder Matcha?

Ein Plädoyer von Tarek Steckbeck und Dominik Feike

 

Milch macht müde Männer munter! So die Devise, die uns schon die Werbung in den 50er-Jahren propagiert hat. Findet diese noch heute Zuspruch in der Bevölkerung? 

 

Bacon ‘n Eggs und Milchkaffee zum Frühstück, schnell die Fischsemmel von nebenan zur Mittagspause und das konventionelle Rindergulasch von Mama am Abend. Kalb und Kalzium kräftigen Knochen. Der Prototyp des Omnivoren (Begriff 1) verschlingt schon mal drei bis vier Tierarten pro Tag. Noch nie war vielseitige Ernährung so einfach und gesund. Tierliebe schmeckt. Und wie sie schmeckt!

 

Versuchen wir uns doch stets an unseren ethischen Prinzipien zu orientieren, hört die Moral bei Tieren plötzlich auf. Wenn der Haustierbesitzer die Massentierhaltung verteidigt und der Fair-Trade-Kaffeekäufer die 40-Cent-Milchreihe leerräumt, entsteht die Frage, warum unsere Werte innerhalb der Gesellschaft so differieren. Pharisäer, die sich über mangelndes Wasser in der Welt echauffieren, verschwenden hunderte Liter für ihr abendliches Steak. Wir verbringen Wochen damit, Klimaabkommen auszuhandeln, in denen Tierhaltung kaum erwähnt wird. Pseudo-Umweltschutzdemonstranten, die sich am Morgen vier Streifen Speck einverleiben, mit deren CO2-Emissionen sie 200 Kilometer hätten fahren können, gibt es wie Ferkel auf dem Gourmetteller. 

 

Seit 2010 taucht jedoch ökologisch und moralisch ein Funken Hoffnung am Rand der sonst so verkrusteten Masse auf. Mit Aufstreben des Veganismus haben einige Menschen begonnen, sich über ihr Konsum- und Essverhalten Gedanken zu machen – mit dem Ziel, Leid zu ersparen. Sich selbst, den Tieren und dem ganzen Planeten. Trotzdem widerstrebt es dem Großteil der Gesellschaft, sich auf diese Ernährungsform einzulassen. Einerseits verständlich, wirken Produkte wie Soja-Matcha-Latte und Seitan-Bratling (Begriff 2) ungewohnt und fremd. Andererseits fraglich, sind Lebensmittelskandale wie Gammelfleisch, nicht artgerechte Haltung und Fipronil in Eiern hochaktuell, entwickeln sich Herzkrankheiten und Arterienverstopfung zu Volkskrankheiten und beunruhigt die Feststellung, dass die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens stark verfehlt werden. Das ist nur ein Ausschnitt von Faktoren, die zum Umdenken anregen sollten – ein Umdenken findet allerdings immer noch erst schleppend statt. Wenn das Bio-Sojageschnetzelte für 1,50€ zugunsten des Antibiotika-Leberkäses für 80 Cent ausgeschlagen wird, wenn die nachweislich Eiter enthaltende Kalbsmuttermilch attraktiver wirkt als die vitaminreiche Mandelmilch und wenn Küken gerade die Lebensberechtigung erhalten, um zu Chicken-Nuggets oder Hundefutter geschreddert zu werden, sieht der Weg, der vor uns liegt, so dunkel aus wie die Extremente, in denen Massenhaltungstiere stehen. 

 

Auch wer unter euch nicht frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein. Da haben unbekümmerte Menschen, für die Begriffe wie Treibhauseffekt, Cholesterin und Haltungsrichtlinien Fremdwörter sind, wohl einfach Schwein gehabt.

 

 

Begriff 1: Form der Ernährung, bei der alles gegessen wird/gegessen werden darf.

Begriff 2: Fleischersatzprodukt aus Weizeneiweiß (Gluten). 

 

 

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Bildquelle Teaser: 

https://publicdomainvectors.org/en/free-clipart/Vegan-and-non-vegan-icon/40850.html (Stand: 23.12.2019).  

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