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Fridays for Future - Machtübernahme der Asketen

Ein Kommentar von Sebastian Böhm

 

Noch nicht lange ist es her, dass man Personen in der vermeintlichen Rolle eingeweihter Menetekel, die öffentlich das Ende der Menschheit oder gar eine drohende Agonie des Weltganzen prophezeiten, in die Nähe fundamentalchristlicher Fanatiker rückte und sich mehr belustigt denn entsetzt über deren Ängste äußerte. Obgleich die Fridays for Future-Bewegung ihre Annahmen auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt und im Gesamten objektiv bedeutsame Interessen verfolgt, ist die einst so konstruktive Initiative längst zu einer ideologisch festgefahrenen, realitätsentrückten Idealisten-Hochburg verkommen, die religiösen Eiferern in ihrem autoritärem Geltungsanspruch, der Anbetung scheinbarer Erlöser sowie dem Drang zu asketischer Selbstgeißelung in nichts nachsteht. 

 

In destruktiver Ekstase wetteifern die Jünger der moralischen Überlegenheit seit geraumer Zeit um die radikalsten Vorschläge, wie der blaue Planet am besten zu retten sei und suchen sich hinsichtlich der Intensität der angestrebten Eingriffe in das Leben der Bundesbürger wechselseitig zu übertreffen. Ihre Chöre des masochistischen Gleichklangs besingen Steuererhöhungen und Verteuerungen in quasi allen Bereichen des Lebens als heilsbringende Maßnahmen, während Verbote und eine zunehmende Einschränkung der individuellen Mobilität nicht etwa nur akzeptiert, sondern freudenstrahlend entgegengenommen werden. Alles, was derzeit zu zählen scheint, ist der allzu bekannte Leitspruch, dass eben nur bittere Medizin wirklich helfe. Was schon in Hinblick auf Arzneimittel von geringer Stichhaltigkeit ist, erscheint im Kontext globalpolitischer Herausforderungen geradezu lächerlich.  

 

Man muss sich fragen, was beispielsweise durch die aktive Bekämpfung der Autokonzerne auf der IAA bezweckt werden soll, die als Repräsentanten einer deutschen Schlüsselindustrie den Wohlstand der hier lebenden Menschen zu Teilen nicht nur begründet haben, sondern auch aufrechterhalten. Sind den Aktivisten der Extinction Rebellion, welche im Zuge der Klimaschutzdemonstrationen die Wirtschaft durch Blockaden zu lähmen versuchen, die Auswirkungen des angestrebten Stillstands wirklich bewusst? Steuern kann man schließlich nur so lange eintreiben, wie es Arbeitgeber gibt, die Gehälter ausbezahlen. Der leichtfertige Umgang mit dem deutschen Wohlstand überrascht – insbesondere, da nur wenige Monate vergangen sind, seit in Paris aufgrund der angekündigten Erhöhung der Steuer auf fossile Brennstoffe Autos brannten. Noch fällt es (zu) vielen offenbar leicht, bei jeder Transaktion ein paar Cent mehr auf den Tresen zu legen.  

 

Die derzeitige Orgie des Verzichts erschiene zweckdienlich, wenn sie wirklich zur Folge hätte, dass durch deutsche Anstrengungen das Klima gerettet würde. Führt man sich jedoch vor Augen, dass hierzulande lediglich knapp zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen (Quelle 1) ausgestoßen werden, muss man zwingend zu der Erkenntnis gelangen, dass die Bürger dieses Landes unabhängig von der Größe ihres Verzichts die Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels nur unwesentlich beeinflussen können. Vielmehr wäre ein rasches Umdenken anderer Staaten erforderlich. 

 

Das vielfach vorgebrachte Argument, irgendjemand müsse eben damit anfangen, sich einzuschränken, überzeugt kaum. Deutschlands Rolle in Sachen Klimaschutz kann und darf nicht sein, die eigene wirtschaftliche Stärke zugunsten eines fehlgeleiteten Edelsinns aufs Spiel zu setzen. Als hochtechnisierte Nation des Fortschritts sowie als Speerspitze der globalen Forschung liegt es in unserer Verantwortung, exportfähige Technologien zu entwickeln, die in der Lage sind, anderen Ländern zu zeigen, dass klimaneutrale Prozesse nicht nur nachhaltiger sein können als herkömmliche Herangehensweisen, sondern auch effizienter und preiswerter. Nur so kann es gelingen, Weltmächte wie China und die USA von ökologischen Perspektiven zu überzeugen. Fridays for Future ist jener konstruktive Impetus weitestgehend fremd – dort meint man die Lösung des Problems lediglich über die Wegnahme von Annehmlichkeiten erzielen zu können.  

 

In großem Einvernehmen titelten die bedeutsamsten deutschen Zeitungen infolge der Flüchtlingskrise ebenso beschwichtigend wie belehrend, dass Angst kein guter Ratgeber sei. Gerade weil dem vorbehaltlos zuzustimmen ist, wird es Zeit, die momentane Hysterie wieder abzulegen und dem Klimawandel mit dem gegenüberzutreten, was uns als Spezies von anderen Lebewesen unterscheidet: Gesunder Menschenverstand.  

 

 

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Quelle 1: 

Statista Research Department (2016): Die zehn Länder mit dem größten Anteil am CO2 Ausstoß weltweit im Jahr 2016. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/179260/umfrage/die-zehn-groessten-c02-emittenten-weltweit/ (Stand: 25.09.2019).

 

Bildquelle Teaser: 

https://pixabay.com/de/photos/fridays-for-future-klimastreik-4161573/ (Stand: 25.09.2019).  

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