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Le Mérite 10+1 - Interview mit Lilith Reim (Grüne Jugend)

Geführt von Sebastian Böhm

 

Allgemeines:

Lilith Reim, Jahrgang 1995, ist Sprecherin der Grünen Jugend München und studiert Anglistik an der Ludwig-Maximilians-Universität. Sie liest gerne, verbringt viel Zeit mit ihren Freund*innen und liebt Tiere.  

 

Fragenkatalog an alle Parteien:

Frage 1: Wenn es zwei Dinge gäbe, die du an Deutschland verändern oder verbessern könntest, welche wären es?

Lilith Reim: Eine mir wichtige Verbesserung in Deutschland ist auf jeden Fall die Umweltpolitik, besonders der Schritt zur 100% erneuerbaren Energie, dazu gehört der Ausstieg aus der Kohlekraft.

Als zweites wünsche ich mir die gleiche Bezahlung der Geschlechter und allgemein gleiche Rechte für alle, unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Herkunft oder Religion.

 

Frage 2: Asyl und Integration sind seit 2015 die bestimmenden Themen in der deutschen Öffentlichkeit. Glaubst du, dass sich das Land durch die Aufnahme so vieler Menschen in finanzieller und/oder kultureller Hinsicht übernommen hat? 

Lilith Reim: Das Land braucht Zuwanderung, denn wenn wir die Leute arbeiten lassen, füllen sie die unbesetzten Arbeitsplätze und zahlen so auch in den Steuertopf ein. Kulturell ist es eine Bereicherung für unsere Vielfalt, denn es kann gegenseitig voneinander gelernt werden.

 

Frage 3: Viele beklagen Ungerechtigkeiten aufgrund differierender Abschlussprüfungen. Ist die Organisation der Bildung auf Länderebene überholt?

Lilith Reim: Das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern muss abgeschafft werden, um mehr Chancengleichheit und Gerechtigkeit zu schaffen.

 

Frage 4: Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Bist du der Meinung, dass wir unser Gesundheitssystem reformieren müssen, um dieser Herausforderung gerecht werden zu können? Wenn ja, wie?

Lilith Reim: Prinzipiell gilt, dass viele Rentner*innen oft zu wenig Rente bekommen, um überhaupt gut in Deutschland leben zu können. Der deutschen Politik ist die Wirtschaft wichtiger als die Unterstützung der Menschen, die es nötig hätten. Auch in der Pflege, wobei die Pfleger*innen trotzdem einen sehr guten Job machen, braucht es bessere Bezahlung, einen Freizeitausgleich, mehr Pflegekräfte und somit eine Sicherstellung der Versorgung insbesondere alter Menschen auch in der Zukunft.

 

Frage 5: Die fortschreitende Digitalisierung gefährdet trotz ihrer vielfältigen Möglichkeiten nicht wenige konventionelle Arbeitsplätze. Wie ist dieser Entwicklung auf lange Sicht beizukommen?

Lilith Reim: Wenn die Digitalisierung uns Arbeit spart, wird auf kurze wie lange Sicht die 40-Stunden-Woche überholt sein. Dann sollten die Leute für weniger Stunden gleiche Löhne bekommen, anstatt dass nur die Industrie davon profitiert.

 

Frage 6: Wie stehst du zu Donald Trump und wie sollte sich Deutschland gegenüber einem Amerika unter seiner Administration verhalten?

Lilith Reim: Einfach gesehen ist Donald Trump ein Sexist, Homophober und Rassist. Deutschland sollte sich klar von ihm abgrenzen. Es kann nicht sein, dass er so viele von Barack Obamas fortschrittlichen und wichtigen Gesetzgebungen, wie zum Beispiel Obamacare, wieder streicht. Seine Politik ist sehr kritisch und wir sollten auf jeden Fall eine deutliche Linie ziehen.

 

Frage 7: Was hältst du für die Kernaufgabe zur Schaffung sozialer Gerechtigkeit?

Lilith Reim: Sicherlich ist die Schaffung sozialer Gerechtigkeit vielschichtig und ein langer Weg. Man muss damit beginnen, das Leben von Menschen mit geringerem Einkommen durch höhere Mindestlöhne und schärfere Gesetze gegen Ausbeutung durch die Industrie zu verbessern. Die reichere Bevölkerung sollte beispielsweise durch Vermögens- und Erbschaftssteuern zur Verantwortung gezogen werden. Auch das bedingungslose Grundeinkommen ist als Zukunftsprojekt ernst zu nehmen.

 

Parteispezifische Fragen:

Frage 8: Jürgen Trittin hat während der Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ von der Notwendigkeit einer Polizeiaufstockung gesprochen, obwohl die Grünen seit jeher als eher polizeikritisch einzuordnen sind. Welche Maßnahmen wären der inneren Sicherheit deines Erachtens zuträglich?

Lilith Reim: Mehr Polizei ist durchaus eine gute Forderung, dabei sollten jedoch unabhängige Stellen Aufklärungsarbeit gegen Polizeigewalt leisten. Auch der BND muss komplett reformiert werden, wie z.B. der Fall Amri gezeigt hat.

 

Frage 9: Die Grüne Jugend München lehnt die Einladung des bayerischen AfD-Vorsitzenden Petr Bystron zu einer vom Jugendprogramm „PULS“ veranstalteten Podiumsdiskussion entschieden ab. Wäre eine solche Maßnahme nicht wettbewerbsverzerrend oder sogar undemokratisch?  

Lilith Reim: Ich halte es weder für wettbewerbsverzerrend noch für undemokratisch, die AfD nicht zu Podiumsdiskussionen einzuladen. So einer fortschrittsfeindlichen und bewusst rechtspopulistischen, homophoben und in vielen Zügen selbst undemokratischen Partei ein Forum zu bieten, würde sie nur „normalisieren“. Wir brauchen eine klare Kante gegen Rechts.

 

Frage 10: Es wird in letzter Zeit vermehrt über Diesel-Verbote diskutiert. Gefährdet man durch einen Angriff auf Verbrennungsmotoren nicht die Wurzel des deutschen Wohlstands?   

Lilith Reim: Bedeutet die Nutzung von umweltschädlichen Verbrennungsmotoren nicht viel eher eine Gefährdung des deutschen Wohlstands, bzw. unserer Gesundheit und Umwelt? Die Zukunft liegt in der E-Mobilität und das Festhalten am Verbrennungsmotor gefährdet die deutsche Industrie viel mehr.

 

Frage 10 + 1: Blicken wir 20 Jahre in die Zukunft – Wird Deutschland besser, schlechter oder unverändert dastehen?

Lilith Reim: Wenn wir jetzt eingreifen, uns für mehr Gerechtigkeit stark machen und den Klimawandel aktiv bekämpfen, wird es in Deutschland besser aussehen. Dann stehen wir bei 100% erneuerbaren Energien, haben mit einem Einwanderungsgesetz die Grundlage für Zuwanderung und Weltoffenheit geschaffen und möglicherweise sogar ein bedingungsloses Grundeinkommen, durch das die Armut im Land gestoppt und die Schere zwischen Arm und Reich geschlossen wird. Und wer weiß – vielleicht reden wir in 20 Jahren schon mehr über Europa anstatt „nur“ über Deutschland. Dafür müssen wir aber jetzt unsere Stimmen erheben und keine Rechtspopulist*innen, sondern gerechte, vielfältige und grüne Parteien wählen.

 

Le Mérite bedankt sich herzlich für das Interview. 

 

 

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Bildquelle Teaser: https://www.gruene-bw.de/wp-content/uploads/2015/10/Gr%C3%BCne-Jugend-Baden-W%C3%BCrttemberg-370x215.jpg (Stand: 16.09.2017).

Porträt: © Lilith Reim 

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