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Le Mérite 10+1 - Interview mit Julia Grote (Junge Union)

Geführt von Sebastian Böhm 

 

Allgemeines:

Julia Grote, Jahrgang 1989, ist Pressesprecherin der JU Oberbayern und leitet den Junge Union-Kreisverband im Landkreis Dachau. Zwischen 2008 und dem erfolgreichen Magister im Jahr 2013 studierte sie Philosophie, Politikwissenschaften und deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach einigen Tätigkeiten in Politik und Wirtschaft ist Julia nun seit 2014 als duale BWL-Studentin bei der Bayerischen Landesbank beschäftigt. Obwohl die Politik auch in ihrer Freizeit einen großen Raum einnimmt, geht sie gerne zum Klettern und Skifahren. Außerdem zählen (Beach-)Volleyballspielen und Theaterbesuche zu ihren Hobbies.

 

Fragenkatalog an alle Parteien:

Frage 1: Wenn es zwei Dinge gäbe, die du an Deutschland verändern oder verbessern könntest, welche wären es?

Julia Grote: Ich würde mir für Deutschland eine „Mentalität der zweiten Chance“ wünschen, die gleichzeitig auch mit einer größeren Anerkennung der Arbeitsleistung einhergeht. Menschen sollen Respekt für ihre Tätigkeit erwarten können, gleichzeitig aber auch eine zweite Chance erhalten, wenn sie scheitern. Außerdem sollte es Veränderungen im Steuersystem geben. Wir im Kreisverband haben beispielsweise eine Forderung hinsichtlich der Kapitalertragssteuer ausgearbeitet: Es macht keinen Sinn, dass Kapitalerträge niedriger besteuert werden als tatsächliche Arbeit.

 

Frage 2: Asyl und Integration sind seit 2015 die bestimmenden Themen in der deutschen Öffentlichkeit. Glaubst du, dass sich das Land durch die Aufnahme so vieler Menschen in finanzieller und/oder kultureller Hinsicht übernommen hat? 

Julia Grote: Finanziell haben wir uns keineswegs übernommen. Aufgrund der Rekordsteuereinnahmen ist Deutschland momentan in der Lage, diese Herausforderung zu stemmen. Allerdings werden Folgekosten entstehen, die heute noch nicht mit Gewissheit zu beziffern sind. Dass die Finanzierung im Falle eines wirtschaftlichen Abschwungs ohne schmerzhafte Einschnitte in anderen Bereichen möglich wäre, wage ich daher zu bezweifeln. Kulturell haben wir es bislang ebenfalls sehr gut hinbekommen, wobei besonders das Engagement der Ehrenamtlichen hervorzuheben ist. Gerade in dörflichen Strukturen funktioniert die Integration ausgesprochen erfolgreich. Ob wir es schaffen, dass auch in 15 Jahren keine Parallelgesellschaften existieren und sich die zu uns gekommenen Menschen genauso bayerisch fühlen wie wir, hängt vor allem davon ab, wie wir das Ganze jetzt anpacken.

 

Frage 3: Viele beklagen Ungerechtigkeiten aufgrund differierender Abschlussprüfungen. Ist die Organisation der Bildung auf Länderebene überholt?

Julia Grote: Als ich mich vor einigen Jahren für einen Medizinstudienplatz bewarb, habe ich am eigenen Leib erfahren, wie erbarmungslos dieses System ist. Obwohl ich finde, dass Bildungspolitik weiterhin Ländersache bleiben sollte, wäre es sinnvoll, eine zentrale Abiturprüfung nach bayerischen Qualitätskriterien einzuführen. Schwerpunkte, konkrete Unterrichtskonzepte und die Entscheidung über verschiedene Schularten sollten jedoch nicht dem Bund obliegen.

 

Frage 4: Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Bist du der Meinung, dass wir unser Gesundheitssystem reformieren müssen, um dieser Herausforderung gerecht werden zu können? Wenn ja, wie?

Julia Grote: Auf jeden Fall kommen aufgrund der erhöhten Lebenserwartung auch höhere Gesundheitskosten auf uns zu, worauf man sich einstellen muss. Das zeigt sich bereits jetzt durch die steigenden Krankenversicherungsbeiträge. Handlungsbedarf besteht insofern, dass immer nur der Arbeitnehmeranteil in die Höhe schnellt, während Arbeitgeber gar nicht in die Pflicht genommen werden. Das deutsche Gesundheitssystem als solches würde ich allerdings nicht auf den Kopf stellen, so wie das die FDP vorhätte.

 

Frage 5: Die fortschreitende Digitalisierung gefährdet trotz ihrer vielfältigen Möglichkeiten nicht wenige konventionelle Arbeitsplätze. Wie ist dieser Entwicklung auf lange Sicht beizukommen?

Julia Grote: Ich persönlich sehe die Digitalisierung weniger als Bedrohung denn als Chance. Dass viele lästige Aufgaben, die momentan noch von Menschenhand erledigt werden müssen, beispielsweise durch eine intelligente Software erledigt werden können, erleichtert die Arbeit um ein Vielfaches und macht sie auch interessanter. Menschen, deren manuelle Fähigkeiten in der bisherigen Form nicht mehr gebraucht werden, sind aufgrund ihres Wissens besonders dazu befähigt, den Automatisierungsprozess zu optimieren. Ansonsten müssen wir in Weiterbildung investieren, wobei ich das eher als eine Aufgabe der Firmen betrachte. Es liegt in deren ureigenem Interesse, dass ihre Arbeitskräfte auch in 15 Jahren noch produktiv sind.

 

Frage 6: Wie stehst du zu Donald Trump und wie sollte sich Deutschland gegenüber einem Amerika unter seiner Administration verhalten?

Julia Grote: Donald Trump ist für mich eine Mischung aus Clown und Schreckgespenst, ich kann über diesen Mann nichts Gutes sagen. Ich sehe ihn als Gefahr für den internationalen Frieden und alle diplomatischen Beziehungen, die in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg mühsam aufgebaut worden sind. Daher hoffe ich, dass er nicht noch einmal nominiert wird. Dennoch sind die Beziehungen Deutschlands zu den USA sehr wichtig und auch ein bedeutender Bestandteil unseres Selbstverständnisses. Weder die amerikanische Bevölkerung noch die amerikanischen Firmen kann man mit Donald Trump gleichsetzen, weswegen wir weiterhin partnerschaftlich mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten sollten. Der jetzige Präsident ist mehr als ungünstige Entwicklung des Schicksals anzusehen und kein Grund, das Land auf seine Regierung zu reduzieren.

 

Frage 7: Was hältst du für die Kernaufgabe zur Schaffung sozialer Gerechtigkeit?

Julia Grote: Unser Bildungssystem muss dafür sorgen, dass jeder unabhängig von seinem Elternhaus die Möglichkeit erhält, gegebene Talente maximal zu entwickeln. Defizite sollen durch Schule und Ausbildung ausgeglichen werden, damit die Herkunft möglichst keinen Einfluss darauf hat, ob jemanden einen Job bekommt oder nicht. Soziale Gerechtigkeit kann in meinen Augen daher vor allem durch Chancengerechtigkeit hergestellt werden.

 

Parteispezifische Fragen:

Frage 8: Laut einer Studie der Uni Würzburg konsumiert knapp jeder vierte Deutsche zumindest einmal in seinem Leben Cannabis, die Zahl junger Kiffer ist nach Informationen des SPIEGELS sogar extrem gestiegen. Wäre es nicht besser, die Droge hinsichtlich ihrer Popularität und der damit verbundenen Untergrundkriminalität freizugeben?

Julia Grote: Wenn man es so angeht, dass Cannabis legalisiert werden sollte, weil alle konsumieren, sage ich „nein“. Nur weil viele es machen, muss es ja nicht richtig sein. Es käme schließlich auch niemand auf die Idee, die Freigabe von Heroin oder Kokain mit einer solchen Rechtfertigung zu forcieren. Wenn man das Ganze allerdings anders aufrollt und mit der Schädlichkeit argumentiert, kann die Diskussion durchaus geführt werden. Sollten bisher fehlende Langzeitstudien ergeben, dass Kiffen trotz des heutzutage erhöhten THC-Gehalts nicht schädlicher ist als regelmäßiger Alkoholkonsum, wäre es angebracht, noch einmal darüber zu sprechen.

 

Frage 9: Ministerpräsident Seehofer hat im ARD-Sommerinterview eine schwarz-grüne Koalition explizit nicht ausgeschlossen. Findest du, dass das – gerade hinsichtlich der CSU-Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge – ideologisch überhaupt vertretbar ist?

Julia Grote: Generell lässt sich sagen, dass die CSU seit jeher deutlich weiter von den Grünen entfernt ist als die CDU. Rein ideologisch passt das gar nicht zusammen. Allerdings sind die Grünen auch keine homogene Gruppe, sondern bestehen aus Realisten und Fundamentalisten. Leute wie der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, könnten zum Beispiel schon fast als CSUler durchgehen. Letztendlich käme es also darauf an, ob die Realisten überwiegen – sprich welche Leute die Grünen nach Berlin schicken.

 

Frage 10: Vor einigen Wochen hat der Bundestag die „Ehe für alle“ beschlossen. Wie siehst du als Vertreterin einer konservativen Partei diese Entscheidung und welchen gesellschaftlichen Wert hat für dich die klassische Familie? 

Julia Grote: Ich persönlich finde das großartig! Die Meinungen zu diesem Thema gehen in der Jungen Union allerdings auseinander. Einige halten die Entscheidung des Bundestags für absolut begrüßenswert, während andere unter dem Begriff „Ehe“ die Bindung zwischen Mann und Frau verstehen und sich eine begriffliche Abgrenzung wünschen. Für mich ist die Ehe ein wechselseitiger Vertrag, das ganze Leben füreinander da zu sein und den jeweils anderen mit all seinen Schwächen und Fehlern zu unterstützen, was eine gewaltige charakterliche Leistung darstellt. Das gilt für mich unabhängig vom Geschlecht des Partners.

Die Familie ist immer der Kern der bürgerlichen Gesellschaft gewesen. Obwohl Kinder Rollenvorbilder beider Geschlechter haben sollten, glaube ich nicht, dass gleichgeschlechtliche Paare weniger zur Erziehung in der Lage wären als „klassische“ Eltern. Dementsprechend ist die Art der Familie unwichtig, solange sie ihre Aufgabe erfüllt.

 

Frage 10 + 1: Blicken wir 20 Jahre in die Zukunft – Wird Deutschland besser, schlechter oder unverändert dastehen?

Julia Grote: Solange in Bayern die CSU die absolute Mehrheit hat, kann es auf jeden Fall nur bergauf gehen! Ich glaube, dass der Trend zum Wohlstand weiterhin bestehen bleibt und kommende Generationen aufgrund von Vorteilen wie besserer Bildung oder besserer Gesundheitsversorgung einen noch höheren Lebensstandard haben werden als wir jetzt. Ob uns das allerdings glücklicher macht, kann ich nicht sagen – da ist vielleicht irgendwann eine Grenze erreicht. 

 

Le Mérite bedankt sich herzlich für das Interview. 

 

 

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Bildquelle Teaser: http://www.csu-neufahrn.de/wp-content/uploads/2013/11/Logo_JU_9781b76041.jpg (Stand: 21.09.2017).

Porträt: © Julia Grote

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