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Le Mérite Wissen - Das Kommando Spezialkräfte

Eine Recherche von Sebastian Böhm

 

Die Skandale bei der Bundeswehr scheinen trotz eingeleiteter Gegenmaßnahmen nicht abzureißen. Neben der öffentlichen Zurschaustellung rechtsextremistischen Gedankenguts und Fällen von systematischer Erniedrigung war erst vor kurzem ein Offiziersanwärter während des Marschierens zusammengebrochen und Tage später im Krankenhaus verstorben. Nun soll es auch beim Kommando Spezialkräfte, der Eliteeinheit des Heeres, zu bedenklichen Vorkommnissen gekommen sein: Im Rahmen einer Verabschiedungsfeier für ihren Kompaniechef haben Soldaten angeblich einschlägige Nazi-Musik gehört und dabei den Hitler-Gruß gezeigt (Quelle 1). Diesbezüglich gilt es, die Ermittlungsergebnisse abzuwarten und im Falle sich bestätigender Vorwürfe eine Gesamtverurteilung der Truppe dringend zu vermeiden. Warum sie für Deutschlands Sicherheit von größter Bedeutung ist, soll dieser Kurzbeitrag über Geschichte, Auftrag und Gegenwart des KSK verdeutlichen.

 

Während des Kalten Krieges war die Bundeswehr als ausschließliche Verteidigungsarmee konzipiert, sodass der Unterhalt spezialisierter Kommando-Truppen nicht ihrem an langen Frontverläufen orientierten Aufgabenprofil entsprach. Der anschließende Zerfall der Sowjetunion veränderte die sicherheitspolitischen Voraussetzungen in Europa grundlegend und setzte nicht nur massive Abrüstungsbemühungen, sondern auch erhebliche Strukturveränderungen in Gang. Im Weißbuch von 1994, dem offiziellen Strategiepapier des Verteidigungsministeriums, wurde der Aufbau von Krisenreaktionskräften erstmals explizit zur Zukunftsaufgabe erklärt. Weil Deutschland noch im selben Jahr die Hilfe belgischer Fallschirmjägerverbände bei der Evakuierung von Staatsbürgern aus Ruanda benötigte (Quelle 2), wurde unter der Regierung Helmut Kohls im Juni 1995 die Aufstellung des Eliteverbandes auf den Weg gebracht.

 

Obwohl „Retten und Befreien“ noch immer als die Schlüsselaufgabe des KSK schlechthin gilt, haben offensivere Tätigkeiten in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Neben Aufklärungsmissionen hinter feindlichen Linien sind die Spezialkräfte vornehmlich mit der Festsetzung von Zielpersonen, dem präventiven Vorgehen gegen terroristische Kräfte sowie taktischen Kampfaufträgen betraut. Einsätze können global und unter jeglichen Umweltbedingungen durchgeführt werden, was vor allem am Aufbau des Verbandes liegt. Dem Stab stehen vier reguläre Kompanien und eine Spezialkommandokompanie zur Verfügung, die jeweils für bestimmte Verbringungsarten (Land, Luft, Wasser, Gebirge) ausgebildet und ausgerüstet sind (Quelle 4). Als kleinstes Segment der Einheit fungiert der aus vier Soldaten bestehende Kommandotrupp, dem ein Waffenspezialist, ein Funker, ein Sprengmeister und ein speziell geschulter Sanitäter angehören.

 

Eine makellose Gesundheit gilt neben extremer physischer und mentaler Leistungsfähigkeit als Grundvoraussetzung für den Dienst beim Kommando Spezialkräfte. Anwärter durchlaufen zunächst diverse Sporttests und psychologischen Untersuchungen, um sich anschließend der „Höllenwoche“, einer fünfttägigen Durchschlageübung zu stellen, welche von Brigadegeneral a.D. Hans-Christoph Ammon einst als das „Härteste, was man jungen Menschen in einer Demokratie zumuten kann“ beschrieben wurde (Quelle 5). Nur knapp jedem Vierten gelingt es, alle Herausforderungen durchzustehen. Hierbei erscheinen vor allem die Motive der Kandidaten interessant: Am häufigsten werden „Freude am Beruf durch neue und sinnvolle Aufträge“ (25%), „Interessante Ausbildung mit modernsten Waffen“ (18%) und „Soldat aus Überzeugung/Traumverwendung“  (17%) als Bewerbungsgründe genannt (Quelle 4). An das fordernde Auswahlverfahren schließt sich die zweijährige Ausbildung zum Kommandosoldaten an, deren erfolgreicher Abschluss mit Verleihung des Combat-Ready-Status belohnt wird.

 

Einsatzdetails erreichen die Öffentlichkeit hingegen nur selten – in der Regel unterliegen entsprechende Daten höchster Geheimhaltung. Jener für die Sicherheit der Soldaten durchaus bedeutsame Umstand sorgt jedoch auch immer wieder für Kontroversen: Politiker befürchten, die Regierung könne das KSK ohne parlamentarische Legitimation in Kriegs- und Krisengebiete entsenden.

 

 

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Quelle 1:

Grabler, Jochen/Leiffels, Dennis/Jolmes, Johannes (2017): Hitlergruß? Ermittlungen gegen Kompaniechef. http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2017/Hitlergruss-Ermittlungen-gegen-Kompaniechef,bundeswehr1738.html (Stand: 19.08.2017).

 

Quelle 2:

Löwenstein, Stefan (2008): Geheimnisumwitterte Elitekämpfer. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kommando-spezialkraefte-geheimnisumwitterte-elitekaempfer-1681826.html (Stand: 20.08.2017)

 

Quelle 3:

Deutsches Heer (2017): Auftrag des Kommando Spezialkräfte. http://www.deutschesheer.de/portal/a/heer/start/dienstst/dsk/gliederung/kommandospezialkraefte/auftrag/!ut/p/z1/04_Sj9CPykssy0xPLMnMz0vMAfIjo8zinSx8QnyMLI2MfMycDQwc_d3NgxydfI0tzEz1wwkpiAJKG-AAjgb6wSmp-pFAM8xxmuFrpB-sH6UflZVYllihV5BfVJKTWqKXmAxyoX5kRmJeSk5qQH6yI0SgIDei3KDcUREAzZmN8w!!/dz/d5/L2dBISEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL2922L6C00AOG7RABM38M2 (Stand: 20.08.2017).

 

Quelle 4:

Scholzen, Reinhard: Kommando Spezialkräfte. 1. Auflage, Motorbuch Verlag, Stuttgart, 2009.

 

Quelle 5:

Henel, Günther (2010): Die geheime Truppe der Bundeswehr – Kommando Spezialkräfte. https://www.swrfernsehen.de/die-geheime-truppe-der-bundeswehr-kommando-spezialkraefte/-/id=2798/did=7022020/nid=2798/1rou087/index.html (Stand: 20.08.2017). 

 

Bildquelle Teaser: 

http://p5.focus.de/img/fotos/origs7341211/8964561308-w630-h406-o-q75-p5/ksk4.jpg (Stand: 20.08.2017). 

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