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"Star Wars: The Last Jedi" - Eine spektakuläre Enttäuschung

Eine Filmkritik von Sebastian Böhm

 

„Star Wars“ gehört nicht nur zu den beliebtesten, sondern auch kommerziell erfolgreichsten Filmprojekten aller Zeiten. Allein die 2015 erschienene, erste Episode der nun laufenden Sequel-Trilogie, „Das Erwachen der Macht“, erreichte einen globalen Umsatz von mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Ganze Generationen sind mit dem Epos rund um jene „weit, weit entfernte Galaxis“ aufgewachsen und erlebten die von Figuren wie Darth Vader und Meister Yoda ausgehende Faszination. Dementsprechend groß waren die Hoffnungen auf den neuesten Teil der Saga, welcher den verheißungsvollen Titel „The Last Jedi“, zu Deutsch „Die letzten Jedi“ trägt. Ist es Regisseur Rian Johnson geglückt, die Geschichte der Sternenkriege vielversprechend fortzuführen? Die Antwort lautet: teilweise.  

 

„Star Wars: The Last Jedi“ tritt von der ersten bis zur letzten Minute als actiongeladenes Feuerwerk in Erscheinung und spielt die Stärken einer vorangeschrittenen Tricktechnik fulminant aus. Nicht zuletzt das üppige Effektbudget darf dementsprechend dafür verantwortlich gemacht werden, dass man den Film trotz seiner augenscheinlichen Schwächen im Bereich der Handlung zum Spitzensegment aktueller Triple-A-Titel zählen darf. Quasi durchgehend wird der Zuschauer von der Bildgewalt detailreicher und stimmiger Kulissen überrollt, wobei diese von atemberaubenden Planeten bis hin zu kosmischen Weiten reichen. Dabei wechseln sich schlichte Eleganz und kapriziöse Absonderlichkeit auf so gekonnte Weise ab, dass summa summarum ein buntes Kunstwerk aus wahrhaftig eindrucksvollen Schauplätzen entsteht.

 

Vergleichbare Superlative lassen sich hinsichtlich der flachen Charaktere sowie des dahinplätschernden Geschehens allenfalls im Negativen finden. Die letzte Szene des Vorgängers, in der Heldin Rey (Daisy Ridley) dem legendären Luke Skywalker (Mark Hamill) sein Lichtschwert übergibt, war überladen von nostalgischen Gefühlen und der Hoffnung auf ein cineastisches Comeback der Extraklasse. Doch irgendwie will der gealterte Jedi-Meister nicht ins Bild der erhabenen und glanzvollen Ordensritter passen, welches die Original-Trilogie und vor allem das Intermezzo der Klonkriege gezeichnet hat. Trotz einiger Rückblenden erscheint Lukes Rolle als Einsiedler unnatürlich und nur schwer begreiflich.

 

Auch die dunkle Seite der Macht hat mit einem gewissen Glaubwürdigkeitsproblem zu kämpfen. Snoke (Andy Serkis), seines Zeichens Anführer der „Ersten Ordnung“, verfügt höchstens über die Maske eines Bösewichts, kann der diabolischen Natur von Imperator Palpatine aber zu keiner Zeit das Wasser reichen. Gleiches gilt auch für seinen Schüler Kylo Ren (Adam Driver), in dem man nur mit Mühe den zukünftigen Meister der finsteren und gleichermaßen gefürchteten Sith erkennen kann. Die emotionale Ambivalenz des Antagonisten sowie dessen Affinität zu menschlichem Verhalten wirkt aufgesetzt und wenig überzeugend. Hervorzuheben ist hingegen die übersinnliche Verbundenheit des Charakters mit Rey, welche das beiderseitige Ringen um Wahrheit und Sinnsuche zu einer intensiven Erfahrung macht und die komplementären Züge von Gut und Böse überraschend plastisch herausstellt.  

 

Trotz der eher vorhersehbaren Story und einem Finale, das wie auch der Rest des Films überwiegend optisch besticht, hat „Star Wars: The Last Jedi“ auch einige Lichtblicke zu bieten. Der gelegentlich eingebaute Humor lockert das Geschehen in angenehm leichter Manier auf, während zuweilen sogar Weisheit an die Oberfläche der sonst eher nichtssagenden Geschichte dringt. Eine Szene, in der Imperiums-Deserteur Finn (John Boyega) und zwei andere Figuren im Inneren eines gestohlenen Raumschiffs feststellen, dass der vormalige Besitzer sowohl mit der „Ersten Ordnung“ als auch mit den Rebellen Waffendeals abgeschlossen hat, stellt die sonst märchenhaft-dichotomische Helden-Schurken-Gliederung herrlich infrage und wirkt dadurch sehr erfrischend.

 

Dass gegen Ende des Films das Gefühl aufkommt, die aufstrebenden Widerstandskämpfer wären eine metaphorische Entsprechung der ursprünglichen, aus alten Episoden bekannten Heroen, ist – sofern es denn beabsichtigt war – ein brillanter Schachzug und untermauert das zuvor mehrfach hervorgehobene Mantra eines durch die Macht bedingten, zyklischen Prozesses aus Werden und Vergehen.

 

Zeit für ein Fazit: „Star Wars: The Last Jedi“ als schlechten Film zu bezeichnen, käme einer dreisten Lüge gleich. Der Streifen vermag den Zuschauer über 153 Minuten gut zu unterhalten und thront gegenwärtig mit allem Recht auf dem Olymp der Science-Fiction-Produktionen. Dennoch hätte man aus dem Erbe George Lucas‘ – gerade aus erzählerischer Sicht – etwas Besseres machen müssen. Insofern ist der neueste Teil der Saga vor allem eins: Eine höchstspektakuläre Enttäuschung.

 

Mérite-Score: 11/15 

 

 

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