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Bundeswehr - Werben fürs Sterben?

Ein Kommentar von Sebastian Böhm

 

„Star Wars Battlefront II“ gehört zu den meisterwarteten Videospielen des diesjährigen Herbstes und soll laut Publisher Electronic Arts nicht nur mit großartiger Science-Fiction-Atmosphäre aufwarten, sondern auch weiträumige Areale und episch inszenierte Kämpfe bieten. Mit dem Slogan „Heroes are made on the battlefield“ („Helden werden auf dem Schlachtfeld gemacht“) wirbt der Software-Gigant für sein neuestes Werk und setzt dabei auf bildgewaltige Szenen mit schwer gerüsteten Klonkriegern und Robotern aus dem Star Wars-Universum. 

 

Sieht man sich die neue YouTube-Serie der Bundeswehr einmal genauer an, scheint es hinsichtlich der Darstellung von kriegerischen Unternehmungen durchaus Parallelen zu geben. „Mali“ heißt das aktuelle Online-Projekt des Verteidigungsministeriums, das zwar mitnichten so spektakulär in Erscheinung tritt wie EAs Entertainment-Titel, den Ernst des Krieges aber dennoch verhöhnt. Die Produktion soll junge Menschen für den Dienst an der Waffe begeistern und hat das tägliche Tun der Bundeswehr-Soldaten in eine Art Action-Soap verpackt. Dabei werden selbstverständlich nicht nur das Patrouillieren und Schießen, sondern auch ruhigere Abschnitte des Auslandseinsatzes abgebildet, was durchaus einen Blick hinter die Kulissen erlaubt und vielfach an eine Dokumentation erinnert. Doch der Eindruck beabsichtigter Objektivität täuscht, denn das Ziel der Bundeswehr ist nicht Aufklärung, sondern Nachwuchsgewinnung.

 

Mit rollenden Konvois, lockeren Sprüchen, packender Dauermusik im Hintergrund und Texteinblendungen, die an Social Media-Eingabefelder erinnern, implizieren die Videos trotz vorgegaukeltem „Nah-dran-Feeling“ ein unzutreffendes Bild bewaffneter Konflikte im Allgemeinen. Die deutsche Unterstützungsmission in Mali mag kein Kampfeinsatz klassischer Prägung sein, doch auch zu solchen könnten sich junge, durch Internet-Serien geköderte Rekruten verpflichten. Afghanistan hat vielen gezeigt, dass Krieg kein abenteuerlicher Camping-Ausflug ist, sondern ein grausames Aufeinanderprallen destruktiver Kräfte. Verkohlte Leichen, tote Kinder, zerstörte Dörfer und verstümmelte Menschen müssen Angehörigen der insgesamt eher passiven Bundeswehr nicht zwangsläufig begegnen, können es aber sehr wohl. Dass Bilder wie diese und der Tod generell in der neuesten Publicity-Produktion der Armee nur eine untergeordnete Rolle spielen, ist also ebenso verständlich wie fragwürdig: Mit blutigen Tatsachen einer vielleicht nicht wahrscheinlichen, aber durchaus möglichen Realität gewinnt man keine neuen Anwärter – dafür aber solche, die wissen, worauf sie sich einlassen.

 

Dabei ist es gar nicht so falsch, dass Helden auch auf dem Schlachtfeld geboren werden. Situationen, in denen der Mensch an die Grenzen seiner Physis und seines Geistes stößt; in denen er um sein Leben und das geliebter Menschen kämpfen und fürchten muss; in denen die Welt in sich zusammenzubrechen scheint, sind buchstäblich prädestiniert dazu, das Schlechteste ebenso wie das Beste unseres Charakters zu Tage zu fördern. Dort, wo einerseits abscheuliche Kriegsverbrechen und sinnlose Gewalt wie eine Manifestation humaner Dunkelheit erscheinen, leuchten Mut, Opferbereitschaft und ehrenhaftes Verhalten im Angesicht höchsten Verlustes noch heller als sie es ohnehin schon tun. Wer im Auftrag des Parlaments und damit im Namen der Bevölkerung in fremde Länder zieht und dort gewissenhaft seine Pflicht erfüllt, verdient ohne Zweifel nicht nur Respekt, sondern Hochachtung. Doch ist es moralisch vertretbar, Menschen für diese Aufgabe zu gewinnen, indem man ihnen durch gut inszenierte Kurzfilme die scheinbare Sicherheit des Soldatenberufs suggeriert? Zweifel hieran sind gewiss nicht ohne Berechtigung. 

 

 

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Bildquelle Teaser: 

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