· 

Air-Berlin-Pleite - One Way Ticket in die Hauptstadt

Eine Analyse von Gastautor Maximilian Denuel

 

Es war freitagabends, als am 27.10.17 der letzte planmäßige Flug einer Air-Berlin-Maschine von München aus abhob. Natürlich – wie sollte es auch anders sein – mit dem Ziel Berlin, das 38 Jahre lang der Firmensitz der nun insolventen Fluggesellschaft war. 

 

Viele von uns assoziierten die Airline, vor allem durch ihre Charter Flüge, mit dem Anfang eines Urlaubs im Süden. Egal ob Mallorca, Kreta oder auch Ägypten: Seit dem Erstflug 1979 beförderte die Fluggesellschaft mehr als eine halbe Milliarde Passagiere. Doch als im August dieses Jahres die Insolvenz angemeldet wurde, sollte Schluss damit sein.

 

Jener Bruch in der deutschen Zivilluftfahrt bedeutet den Wegfall von Flügen, Arbeitsplätzen, aber auch eine veränderte Preispolitik. Zum Nachteil der Verbraucher. Es wird mit circa 250 ausfallenden Flügen täglich gerechnet, die bis dato von der Air Berlin betrieben wurden. Vor dem Insolvenzantrag waren es sogar noch 200 mehr – in Summe also 450. Natürlich gibt es in so einer Situation nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner.

 

War die insolvente Airline seinerzeit noch die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, will der Lufthansa-Konzern nun die Air Berlin-Töchter Niki und LGW übernehmen und damit seine Vormachtstellung in der deutschen Zivilluftfahrt untermauern. In den Verhandlungen wird ebenso über die Übernahme weiterer Unternehmensteile durch Easyjet und Condor gesprochen. Von den knapp 8000 Mitarbeitern sollen rund 3000 bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterkommen (Quelle 1).  

 

Die Insolvenz lässt sich grundsätzlich nicht auf ein spezielles Ereignis zurückführen; vielmehr waren es mehrere Entscheidungen und Momente, die die Fluggesellschaft in diese finanzielle Schieflage brachten.

 

Schon von Beginn an liefen einige Dinge nicht so, wie sie sollten. Seien es die Übernahmen der dba oder der LTU, zweier ehemaliger deutscher Fluggesellschaften. Die Integration der neuen Mitarbeiter in das bereits bestehende Betriebsgefüge gestaltete sich als äußerst schwierig und so half selbst die strategische Kooperation mit Etihad nur bedingt etwas. Air-Berlin benötigte Geld, fand im Gold-Carrier finanzielle Schützenhilfe, was jedoch auch an Bedingungen geknüpft war, die letzten Endes nicht eingehalten werden konnten. Kein Wunder also, dass der Insolvenzantrag Tage nach Auflösung der „Partnerschaft“ im August 2017 angemeldet wurde. Denn Etihad sicherte bis zuletzt das Überleben von Air Berlin, beschnitt gleichzeitig aber auch das Langstreckengeschäft.

 

Asien, wo Etihad sehr aktiv ist, war also tabu für Air-Berlin. So blieb der Gesellschaft nur noch Nordamerika als attraktiver Markt. Sich aber im Preiskampf über dem Nordatlantik durchzusetzen, gestaltete sich als äußerst schwierig.

 

Air-Berlin hatte viele Verpflichtungen. Zu viele. So wurden seit Jahren nur rote Zahlen geschrieben. Im ersten Quartal dieses Jahres machte die Airline täglich bis zu drei Millionen Euro Verlust. In Addition kamen noch viele Verspätungen, die vor allem auf Einsparungen im Service-Bereich zurückzuführen waren. Diese Verkettung interner Faktoren hatte zur Folge, dass man anfälliger für externe Einflüsse, wie z.B. die deutsche Steuerlast, wurde (Quelle 2).

 

Die Verzögerungen hinsichtlich des Katastrophen-Flughafens Berlin-Brandenburg (BER), der Berlin-Tegel (TXL) als neues Drehkreuz ablösen sollte, stellten sich für die Airline als desaströs heraus. So gelangte Tegel an die Kapazitätsgrenzen für Air-Berlin und eignete sich nicht als gewinnbringender Umsteigeflughafen, was auch eine Ursache für die vielen Verspätungen war. Das Ziehen der Reißleine seitens der Airline, die Verlegung des Langstreckenbetriebs nach Düsseldorf, brachte nicht die erhofften Ergebnisse, denn viele Kunden waren zu diesem Zeitpunkt längst schon verprellt.

 

Doch nicht nur den Kampf am Boden hatten die Berliner verloren – auch am Himmel hatten sie zu kämpfen. Vor allem gegen die Lufthansa. Konnte man anfangs noch als ernstzunehmender Konkurrent im innereuropäisch-deutschen Bereich gesehen werden, richtete die Kranichlinie ihre Billigpreispolitik gekonnt gegen die Berliner Fluggesellschaft. Und so verlor man auch das Steckenpferd, das Ferienfluggeschäft, an ausländische Budget-Airlines.

 

Was am Ende bleibt, ist ein nicht zu unterschätzender Teil an Mitarbeitern ohne Job und damit ohne Zukunft. Verärgerte und traurige langjährige Kunden und die Erkenntnis, dass auch seitens der Politik zu wenig getan wurde. Vor allem beim Bau des BERs, zu dem aber zu einem späteren Zeitpunkt ein eigener Artikel folgen wird.  

 

In diesem Sinne: „Tschüss, auf Wiedersehen and bye-bye.“

 

 

In eigener Sache: Wenn Ihnen die bisherigen Inhalte gefallen haben, würde es uns freuen, wenn Sie Le Mérite auf Facebook liken (@lemeriteofficial), auf Twitter folgen (@lemeritenews) oder weiterempfehlen könnten. Nur so ist es möglich, ein breiteres Themenspektrum abzudecken, engagierte Gastautoren zu gewinnen und kontinuierlicher Beiträge zu veröffentlichen. 

 

 

 

Quelle 1:

Spiegel Online, kein angegebener Verfasser (2017): Pleite einer Fluggesellschaft – Letzte Air-Berlin-Maschine landet in Berlin.  http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/air-berlin-letztes-flugzeug-landet-in-berlin-a-1175179.html (Stand: 30.10.2017).

 

Quelle 2:

Airliners, kein angegebener Verfasser (2017): Darum ist Air Berlin pleite. http://www.airliners.de/darum-air-berlin-analyse/42208?utm_campaign=readmore&utm_medium=articlebox&utm_source=air (Stand: 30.10.2017).  

 

Bildquelle Teaser:

www.instagram.com/iammade257

Kommentar schreiben

Kommentare: 0