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Feminismus in Norwegen - Willkommen in der Utopie

Ein Kommentar von Sebastian Böhm

 

Deutschland hat neuerdings eine bedenkliche Tendenz zur Rückständigkeit entwickelt. Zumindest liegt jener Gedanke recht nahe, wenn Island die erste CO2-negative Fabrik errichtet, während hierzulande noch über die Laufzeitverlängerung von Atommeilern diskutiert wird. Vielerorts war die „Ehe für alle“ bereits seit Jahren ein fester Bestandteil gesetzlicher Reglements, bis schließlich auch der Bundestag nachzog und gleichgeschlechtlichen Paaren das Heiraten ermöglichte. Obgleich progressive Punkte wie diese nicht gerade unstrittig sind und über ihren gesellschaftlichen Wert durchaus Uneinigkeit besteht, ist es doch verblüffend, dass die einsame Führungsnation Europas immer häufiger als letztes über Themen diskutiert, die an anderer Stelle bereits vor einer Dekade oder mehr in die Form moderner Richtlinien gegossen wurden.

 

Als exemplarisches Beispiel hierfür lässt sich auch der Kampf für die Gleichberechtigung der Geschlechter nennen, welcher einzig in den Vereinigten Staaten mit noch größerer Skurrilität geführt wird. Obwohl die Gender-Forschung bereits seit circa 1980 aktiv ist und angeblich immer weiter in ihren wohl unerschöpflichen Wissensbereich eindringt, war es in den letzten knapp 40 Jahren anscheinend nicht möglich, sich über den Begriffsinhalt des Wortes „Gleichstellung“ einig zu werden. So fiel in Mecklenburg-Vorpommern die gerichtliche Entscheidung, dass Männer grundsätzlich keine Gleichstellungsbeauftragten werden dürfen (Quelle 1) – was nicht nur absurd anmutet, sondern auch ein denkbar ungünstiges Licht auf den Feminismus wirft, der ohnehin immer häufiger mit dem Vorwurf konfrontiert wird, sich mit lächerlichen Lappalien zu beschäftigen. Norwegen scheint hinsichtlich konkreter Reformen schon weiter zu sein – denn dort erhalten Spielerinnen der Fußball-Nationalmannschaft nun genauso viel Geld wie ihre männlichen Kollegen. Ein echter Fortschritt?

 

Wohl kaum. Obwohl die Maßnahme den Athletinnen das Gefühl gegeben hat, „wirklich respektiert zu werden“ (Quelle 2), ist sie reine Augenwischerei und wird mitnichten zur größeren Popularität des weiblichen Fußballs beitragen. Denn im Sport – wie übrigens auch in allen anderen Branchen – spielen Respekt und Fairness aus ökonomischen Gründen eine schlicht untergeordnete Rolle. Es geht um etwas anderes: Geld. Der Preis unterliegt qualitätsunabhängig dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, weshalb es nur konsequent erscheint, dass Volleyball-Profis weniger verdienen als NFL-Stars und weibliche Fußballer weniger als männliche. Wer diese rein wirtschaftliche Feststellung als sexistisch oder gar chauvinistisch brandmarkt, sollte sich selbst dafür geißeln, nicht öfter Frauenfußballspiele zu besuchen. Hierzu ein kleiner Vergleich: Während die Männer von Manchester City mit einer durchschnittlichen Zuschauerzahl von 52.269 Menschen (Quelle 3) circa 200 Euro für ein Champions League-Ticket verlangen können, kosten die Tageskarten für die Wolfsburger Frauen-Mannschaft gerade mal sieben Euro. Trotz der Tatsache, dass er eines der weltweit erfolgreichsten Damen-Teams stellt, kommen darüber hinaus nur durchschnittlich 1400 Personen (Quelle 4) zu Bundesliga-Spielen des VfL.

 

Die norwegische Damen-Elf hat während der Frauen-EM im Sommer kein einziges Tor erzielt. Sie finanziell aufzuwerten ist so, als würde man J.K. Rowlings Vermögen anzapfen, um erfolglosen Schriftstellern ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Oder Mercedes Benz zugunsten der momentan leicht schwächeren BMW-Group höher zu besteuern. Und warum dann nicht gleich alle Sportarten mit denselben Geldbeträgen fördern? Ganz einfach: Es macht finanziell keinen Sinn. Glücklicherweise gibt es wenig Hoffnung für diese als Gerechtigkeit getarnte Gleichmacherei – der Kommunismus ist schließlich auch gescheitert. 

 

 

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Quelle 1:

SPIEGEL ONLINE, kein angegebener Verfasser: Urteil in Mecklenburg-Vorpommern – Gleichstellungsbeauftragte müssen weiblich sein. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mecklenburg-vorpommern-gleichstellungsbeauftragte-muessen-weiblich-sein-a-1172228.html (Stand: 14.10.2017).

 

Quelle 2:

MDR, kein angegebener Verfasser: Nationalteam – Norwegen zahlt Fußballerinnen das Gleiche wie Männern. http://www.mdr.de/nachrichten/vermischtes/norwegens-fussballerinnen-verdienen-nun-genauso-viel-wie-die-maenner-100.html (Stand: 14.10.2017).

 

Quelle 3:

Transfermarkt Online: Premier League-Besucherzahlen 17/18. https://www.transfermarkt.de/premier-league/besucherzahlen/wettbewerb/GB1 (Stand: 14.10.2017).

 

Quelle 4:

Soccer Donna Online: Allianz Frauenbundesliga Besucherzahlen 2017/2018. http://www.soccerdonna.de/de/1-bundesliga/besucherzahlen/wettbewerb_BL1.html (Stand: 14.10.2017). 

 

Bildquelle Teaser: 

http://www.fansoccer.de/natio/spielberichte/norwegendeutschland08/mk-norwegengr.jpg (Stand: 14.10.2017). 

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